Bergedorf
Faszinierende Postgeschichte erleben: Die Briefmarken von Bergedorf
Willkommen in einer der faszinierendsten Nischen der deutschen Philatelie, in der Postgeschichte auf engstem Raum lebendig wird. Wenn Sie sich für historische Postwertzeichen erwärmen können, kommen Sie an den seltenen Ausgaben aus dem ehemaligen beiderstädtischen Amt Bergedorf nicht vorbei. Die Briefmarken Deutschland | Altdeutschland |Bergedorf gehören zu den ausgefallensten und gleichzeitig überschaubarsten Sammelgebieten, die die klassische Philatelie zu bieten hat. Mit nur fünf regulär herausgegebenen Werten zieht dieses winzige Postgebiet seit Generationen engagierte Sammler weltweit in seinen Bann. Begeben Sie sich mit uns auf eine philatelistische Entdeckungsreise in das Marschland an der Elbe und erfahren Sie, was diese Marken so begehrenswert macht.
Das Besondere an diesem Sammelgebiet ist die gelungene Verknüpfung von historischer Einzigartigkeit und grafischer Extravaganz. Da das Postgebiet Bergedorf nur wenige Jahre lang eigene Marken emittierte, ist das gesamte Feld überschaubar und dennoch von einer enormen Tiefe geprägt. Jedes einzelne Stück erzählt von einer Zeit des politischen Wandels, von alten Handelswegen und von der engen Kooperation zweier stolzer Hansestädte. Wer sich diesen Marken widmet, hält ein echtes Stück norddeutscher Kulturgeschichte in den Händen, das weit über den reinen Postwert hinausweist.
Was zeichnet die Kategorie Briefmarken von Bergedorf aus?
Das beiderstädtische Amt Bergedorf war ein historisches Kuriosum, das von den Freien Hansestädten Hamburg und Lübeck gemeinsam verwaltet wurde. Diese politische Besonderheit spiegelt sich direkt in der Gestaltung der Postwertzeichen wider, was sie zu einem unverwechselbaren Teilgebiet von Altdeutschland macht. Die Marken zeigen in ihrer Mitte ein kombiniertes Wappen, das sich aus der Lübecker Hälfte des Doppeladlers und der Hamburger Hälfte der Burg zusammensetzt. Diese heraldische Fusion ist ein absolutes Unikat in der gesamten europäischen Philateliegeschichte.
Ein weiteres, absolut herausragendes Merkmal der Bergedorfer Ausgaben ist das sogenannte progressive Format. Während nahezu alle Postverwaltungen weltweit damals wie heute einheitliche Formate für ihre Freimarken wählten, ging man in Bergedorf einen völlig anderen Weg. Je höher der Nennwert einer Marke war, desto größer war auch ihre physische Abmessung. Die kleinste Marke im Wert von einem halben Schilling misst gerade einmal etwa fünfzehn mal fünfzehn Millimeter, während der höchste Wert zu vier Schillingen stattliche zweiundzwanzig mal zweiundzwanzig Millimeter aufweist. Dieses visuelle Anwachsen der Markenfläche war im Alltag der Postkunden eine praktische Hilfe, um die unterschiedlichen Portostufen sofort voneinander zu unterscheiden.
Darüber hinaus zeichnet sich das Sammelgebiet durch seine extreme zeitliche Begrenzung aus. Die Marken wurden erst am ersten November des Jahres 1861 eingeführt und verloren bereits am einunddreißigsten Dezember 1867 mit dem Beitritt des Gebiets zum Norddeutschen Postbezirk ihre Gültigkeit. Es gab in dieser kurzen Spanne von nur gut sechs Jahren keine Folgeauflagen mit veränderten Motiven, was die Marken zu begehrten Klassikern von zeitloser Eleganz macht. Wer alle fünf Hauptnummern in ungebrauchter oder gar echt gestempelter Form besitzt, darf eine der exklusivsten Kollektionen der deutschen Philatelie sein Eigen nennen.
Geschichte und Hintergrund: Das beiderstädtische Amt im Wandel der Zeit
Um die Besonderheit der Briefmarken von Bergedorf vollends zu verstehen, hilft ein Blick in die wechselvolle Geschichte dieser Region. Das Amt Bergedorf, gelegen südöstlich von Hamburg, war seit dem Frieden von Perleberg im Jahre 1420 im gemeinsamen Besitz der Hansestädte Hamburg und Lübeck. Dieses Kondominium bedeutete, dass beide Städte abwechselnd die Verwaltung ausübten und sich die Einnahmen teilten. In dieser Konstellation entwickelte sich ein florierendes Gemeinwesen, das durch das fruchtbare Marschland der Vierlande und die strategische Lage an den Handelsstraßen geprägt war.
Im Bereich des Postwesens führte diese Doppelherrschaft zu einer spannenden Organisation. Im Jahr 1847 schlossen die beiden Hansestädte ein Abkommen über die Errichtung eines gemeinsamen Postamts in Bergedorf, das unter dem Namen Lübeck-Hamburgisches Postamt betrieben wurde. Die Leitung lag in den Händen des Postmeisters Johann Wilhelm Paalzow, einer heute noch unter Sammlern bekannten Persönlichkeit. Dieses Amt wickelte den gesamten Postverkehr der Region ab und nutzte zunächst Poststempel der beiden Mutterstädte sowie abgemachte Absprachen über die Aufteilung der Portoeinnahmen.
Mit dem Erfolg der ersten Briefmarken in Großbritannien und anderen deutschen Staaten wuchs auch im beiderstädtischen Amt der Wunsch nach einer Vereinfachung des Postbetriebs durch eigene Freimarken. Nach intensiven Verhandlungen einigten sich die Senate von Hamburg und Lübeck auf die Gestaltung und den Druck der Marken, die schließlich im Spätherbst 1861 an den Schaltern bereitgestellt wurden. Als Bergedorf zum Jahreswechsel 1867/1868 im Zuge der Reichsgründungsbestrebungen und der Neuordnung Norddeutschlands seine postaliische Selbstständigkeit verlor, ging die kurze, aber glanzvolle Epoche des Bergedorfer Postwesens zu Ende. Die verbliebenen Restbestände wurden für Sammlerzwecke veräußert, was den Grundstein für die weltweite Verbreitung dieser philatelistischen Schätze legte.
Die Motive der Marken und ihre philatelistischen Facetten
Die gesamte Serie besteht aus lediglich fünf Werten, die im Steindruckverfahren auf farbigem Papier hergestellt wurden. Jede Marke besticht durch eine ganz eigene Ästhetik und feine Details, die erst unter der Lupe ihre volle Pracht entfalten. Das Design stammt von dem Bergedorfer Lithografen Johann Valentin Meidinger, dem es gelang, auf engstem Raum ein harmonisches Gesamtbild zu erschaffen.
Der Wert zu einem halben Schilling: Die Kleinste im Bunde
Die kleinste Marke der Serie war für den lokalen Stadtverkehr in Bergedorf sowie für einfache Kreuzbandsendungen vorgesehen. Sie wurde in schwarzer Farbe auf mattblauem Papier gedruckt. In den vier Ecken der quadratischen Marke befinden sich die Buchstaben L, H, P und A, welche für das Lübeck-Hamburgische Post-Amt stehen. Der Text im Rahmen lautet BERGEDORF oben und POSTMARKE unten, während die Seiten den Wert angeben. Aufgrund der geringen Größe wirkt das filigrane Wappenbild in der Mitte dieser Marke besonders konzentriert und charmant.
Die Werte zu einem und eineinhalb Schillingen
Die Marke zu einem Schilling zeigt sich in schwarzem Druck auf weißem beziehungsweise leicht gelblichem Papier. Sie diente vor allem dem einfachen Briefverkehr innerhalb des Amtsgebietes. Etwas seltener und historisch hochspannend ist der Wert zu eineinhalb Schillingen. Dieser Zwischenschritt im Portosystem wurde in schwarzer Farbe auf einem auffälligen, leicht violetten bis grauen Papier gedruckt. Bei diesem Wert sind diverse Nuancen der Papierfarbe bekannt, was spezialisierten Sammlern ein wunderbares Betätigungsfeld für Farbstudien bietet.
Die höheren Werte zu drei und vier Schillingen
Mit der Marke zu drei Schillingen verlassen wir den reinen Monochromdruck. Dieses Prachtstück wurde in einem strahlenden Blau auf rosa Papier gedruckt, was einen der schönsten Farbkontraste der gesamten altdeutschen Philatelie erzeugt. Sie fand meist Verwendung für Briefe, die in entferntere Destinationen innerhalb des Postvereins gesendet wurden. Den glanzvollen Abschluss der Serie bildet das größte Format: der Wert zu vier Schillingen in edlem Schwarz auf braunem Papier. Diese Marke war für schwere Briefe und weite Distanzen reserviert und ist im echt gestempelten Zustand auf Briefstücken ein absolutes Prunkstück jeder anspruchsvollen Sammlung.
Interessante Fakten und philatelistische Besonderheiten
Rund um die Briefmarken von Bergedorf ranken sich zahlreiche Anekdoten und Besonderheiten, die das Sammeln dieser klassischen Werte so abwechslungsreich machen. Da das Postgebiet räumlich sehr klein war und nur eine geringe Bevölkerungszahl aufwies, war der tatsächliche Bedarf an Postwertzeichen im Alltag überschaubar. Das hat zur Folge, dass echt gelaufene Marken mit zeitgenössischen Stempeln ungleich seltener sind als ungebrauchte Stücke aus den Restbeständen der Post.
Das Rätsel der Neudrucke und Fälschungen
Ein wichtiges Thema, dem sich jeder Liebhaber dieses Gebietes widmen sollte, sind die sogenannten Neudrucke. Nach der Aufhebung des Postamtes wurden die Original-Druckplatten an private Händler verkauft, allen voran an den bekannten Brüsseler Briefmarkenhändler Jean-Baptiste Moens. Dieser und andere Händler ließen in großem Umfang Neudrucke von den Originalplatten anfertigen. Diese privat veranlassten Drucke weisen oft minimale Unterschiede in den Papierfarben, der Gummierung und der Schärfe des Druckbildes auf. Für Laien sind sie mitunter schwer von den Originalen der Erstauflage zu unterscheiden, weshalb die Prüfung durch anerkannte Experten des Bundes Philatelistischer Prüfer (BPP) bei wertvollen Stücken unerlässlich ist.
Die charakteristischen Stempelformen
Für Stempelsammler bietet Bergedorf ebenfalls exquisite Spezialisierungsmöglichkeiten. Der am häufigsten verwendete Stempel war der markante Kreisgitterstempel mit dem Buchstaben B in der Mitte. Dieser wurde direkt im Hauptpostamt Bergedorf genutzt. Daneben existierten kleinere Poststellen in den umliegenden Dörfern des Amtes, wie etwa in Geesthacht oder im ländlichen Kirchwerder. Wer einen Briefbeleg findet, der mit dem seltenen handschriftlichen Ortsnamen oder einem einfachen Zeilenstempel versehen ist, hält eine echte Rarität in den Händen, die unter Kennern leidenschaftlich gesucht wird.
Der Reiz einer abgeschlossenen Sammlung
Die Beschäftigung mit den Briefmarken des beiderstädtischen Amtes Bergedorf bietet ein tiefgreifendes und überaus befriedigendes Erlebnis. Im Gegensatz zu riesigen, kaum noch zu vervollständigenden Sammelgebieten moderner Epochen bietet Altdeutschland hier die Chance, ein historisch abgeschlossenes Kapitel der Postgeschichte in Perfektion zusammenzutragen. Von den ersten Entwürfen über die feinen Papier- und Farbvarianten bis hin zu den verschiedenen Stempelformen und seltenen Briefbelegen lässt sich dieses Gebiet beliebig tief erforschen.
Lassen Sie sich von der klaren Ästhetik des neunzehnten Jahrhunderts begeistern und holen Sie sich ein Stück hanseatischer Erfolgsgeschichte in Ihr Album. Ob Sie am Anfang Ihrer philatelistischen Reise stehen oder Ihre bereits fortgeschrittene Altdeutschland-Sammlung krönen möchten, die Beschäftigung mit den einmaligen Ausgaben aus Bergedorf verspricht stets neue Erkenntnisse und anhaltende Freude an der klassischen Philatelie. Entdecken Sie die Vielfalt unseres Angebotes und sichern Sie sich Ihre persönlichen Meilensteine der Postgeschichte.
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